Sonntag, 24. Mai 2015

Intergeschlechtlichkeit - Impulse für die Beratung

Intergeschlechtlichkeit-Impulse-fuer-die-Beratung

von Manuela Tillmanns

Inhaltliche Beschreibung

Menschen, die nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet werden können, sind gesellschaftlichen Stigmatisierungen und medizinisch-psychologischen Pathologisierungen ausgesetzt. Zentrale Studien im deutschsprachigen Raum bestätigen die Notwendigkeit eines fundamentalen Paradigmenwechsels im gesellschaftlichen Umgang mit Intergeschlechtlichkeit bzw. Intersexualität. Zwar hat die Auseinandersetzung mit dem Thema bereits Einzug in den Bildungsbereich erhalten, jedoch existieren bislang keine Veröffentlichungen zur professionellen Beratung von Inters*.
Mithilfe der Analyse von Selbstdarstellungen und Expert_innen-Interviews werden im vorliegenden Buch konkrete Impulse und Handlungsempfehlungen für eine inter*-spezifische Beratungspraxis erarbeitet. Interdisziplinarität, Ressourcenorientierung und Personen-zentriertheit werden als wichtige Grundpfeiler benannt, die es ermöglichen, neue methodische Denk- und Handlungsmuster zu formulieren. Dabei werden auch bisher bestehende Beratungsansätze und -konzepte aufgegriffen und unter Einbezug von Peers und Selbsthilfegruppen erweitert. So ergeben sich neue methodische Zugänge und Perspektiven, die sich an den Bedürfnissen und Wünschen intergeschlechtlicher Personen orientieren und ihnen Formen der Selbstermächtigung sowie barrierefreie Räume für selbstbestimmtes Agieren eröffnen.

Manuela Tillmanns ist Sonderpädagog_in und Sexualwissenschaftler_in (M.A.) und arbeitet als Lehrbeauftragte_r an der Universität zu Köln. Tillmanns war Sozialarbeiter_in beim Kölner Straßenstrich-Projekt Geestemünder Straße und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehr-Forschungs-Projekt »Let's talk about Sex« an der Universität zu Köln. Forschungsschwerpunkte: Intergeschlechtlichkeit, sexualisierte Gewalt, sexuelle Bildung, Sexarbeit, Pornografie und hegemoniale Männlichkeiten.

IBN 978-3-8379-2493-0

Rezension

Das Buch umfasst 145 Seiten mit Abkürzungsverzeichnis, Literatur/Quell-Angaben. Es soll Impulse zur Beratung zur Intergeschlechtlichkeit liefern. Leider wird das vorliegende Buch seinem Anspruch nicht wirklich gerecht, es beleuchtet das Thema eher aus wissenschaftlicher Sicht und liefert wenig Impulse zur Peer-Beratung. Es liefert eher einen Blick auf die Historie und entwickelt sozialwissenschaftlicher Perspektiven zur Beratung zu Intersexualität.

Das Buch ist zwar interessant, aber für eine Peerberatung ist es weniger geeignet.

Dienstag, 17. März 2015

Zwischen Tabu und Skandal - Hermaphroditen von der Antike bis heute

Zwischen-Tabu-und-Skandal-Hermaphriditen-von-der-Antike-bis-heute

von Erika Nussberger

Inhaltliche Beschreibung

Die westlichen Gesellschaften teilen Menschen traditionellerweise in eine männliche und eine weibliche Kategorie. Seit der Antike gibt es aber Menschen, die nicht in dieses als selbstverständlich betrachtete duale Geschlechtersystem passen: Hermaphroditen haben entweder Merkmale, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen oder die als widersprüchlich gelten. Da ihre Existenz die soziale Ordnung in Frage stellt, sah und sieht sich die Gesellschaft von der Antike bis heute herausgefordert, zum Hermaphroditismus Stellung zu beziehen und Konzepte zum Umgang mit den Betroffenen zu entwickeln. In diesem Buch werden die wichtigsten historischen Entwicklungen rund um den Hermaphroditismus in der westlichen Welt im medizinischen, juristischen und sozialen Kontext dargestellt - geprägt von spannungsgeladenen Gegensätzen zwischen Mystifizierung und dem Bemühen um sachliche Einordung, zwischen Faszination und Ablehnung, zwischen Tabu und Skandal.

Rezension

Das Buch behandelt auf 279 Seiten die Entwicklung der Behandlung und Sichtweisen auf Hermaphroditismus von der Antike bis heute. Das vorliegende Buch ist eine Dissertation und liest sich erstaunlich flüssig und interessant.

Kapitel 1 berichtet von göttlichen Zeichen und menschlicher Reaktion von 500 v. Chr. bis 500 n. Chr.
Die Geburt eines Hermaphroditen wurde als schlechtes Omen und als Strafe Gottes gesehen. Sie wurden getötet, verbrannt und verband; es wurden Tempel erbaut und Opfer gebracht, um die Göttern zu besänftigen und sogar Kriege wurden ihretwegen geführt. Es gab aber auch Fälle sogenannter spontaner Geschlechtsumkehr von Frauen zu Männern, denen plötzlich männliche Genitalien wuchsen oder Männer die zu Frauen transformierten. Diese Menschen wurden als Heilige angesehen und verehrt. Priester, Ärzte, Justiz beschäftigten sich mit der Existenz der Hermaphroditen und jeder sah das Wahre Wissen auf seiner Seite.

Kapitel 2 schildert Hermaphroditismus als juristischen Problemfall von 500 n. Chr. bis ca. 1750 n. Chr.
Sodomie, Geschlechtszuweisung, Ehe und Kirche sowie Justiz – welche sehr hart und brutal bis zur „doppelten“ Todesstrafe (Erhängen und Verbrennen) ging und unter dubiosen Begutachtungen zu ihren Urteilen gelangten. Hermaphroditen wurden als Kranke angesehen und mussten behandelt werden (erste Gedanken zu Operationen am Genital). Es entbrannt eine Diskussion über die Entstehung von Hermaphroditismus. Sexpraxis, Position beim Akt, Zeitpunkt der Zeugung, Vermischung von gutem und schlechten Samen. Es wurde versucht Hermaphroditen in Geschlechtskategorien m/w/z bzw. mehr Geschlechter einzustufen.

Kapitel 3 berichtet dann in einem Zeitraum von 1750 n. Chr. bis 1850 n. Chr. von der Entdeckung der inneren Organe.
Die Entdeckung der inneren Organe führte zum Versuch der Geschlechtsbestimmung und heizte die Ursachenforschung für Hermaphroditismus an. Die Ärzte sahen sich plötzlich in der Lage eine Ehe-/Zeugungsfähigkeit zu diagnostizieren (Hypospadie schloss eine Ehe-/Zeugungsfähigkeit aus). Das Vorhandensein von funktionsfähigen Hoden bewies die Männlichkeit – neue Untersuchungsmethoden umfassten neben der Beschau und Tastuntersuchungen nun auch das Einführen von Sonden in die Harnwege/Hohlräume (Rektal/Vaginal), Untersuchungen mit dem Spekulum oder dem Mikroskop; es wird auch von Kerzen! als Untersuchungsobjekt gesprochen. Die Untersuchungen werden invasiver und schmerzhafter – führte aber selten zu einer Diagnose. Aus diesem Grunde wurden Obduktionen der Betroffenen nach dessen Tod gewünscht. Es kam zu ersten Operativen Eingriffen (Hypospadie und Neovagina/Klitorisamputation).

Kapitel 4 erläutert die Tücken der Eindeutigkeit von 1850 n. Chr. bis 1920 n. Chr.
Die Medizin versuchte Ursachenforschung zu betreiben, gelangte aber zu keinem Ergebnis. Sie versuchte Hermaphroditen und Pseudohermaphroditen zu kategorisieren und stellt Betroffenen eine geistige Minderwertigkeit anheim. Die Behandlungskonzepte wurden vereinheitlicht, aber auch medizinischer. Durch den Einsatz von Mikroskop und Narkose rückten die Geschlechtsdrusen in den Vordergrund und die Operationen an Klitoris/Hypospadie/Neovagina nehmen zu. Die Justiz beschäftigt sich mit der Geschlechtszuweisung und deren rechtlichen Auswirkungen. Es wurden Regeln einer Ehe- und Zeugungsfähigkeit aufgestellt und Sonderregelungen im Bezug auf Beruf und Sittlichkeit in Erwägung gezogen.

Kapitel 5 behandelt die Behandlungspflichtige Krankheit oder drittes Geschlecht ab 1920.
Das Kapitel beginnt mit einer Autobiografie einer Betroffenengeschichte aus heutiger Sicht. Das alles beherrschende Thema dieser Epoche sind Hormone, Chromosomen, Entwicklungsmöglichkeiten und die Syndrome werden in viele unterschiedliche Gruppen (= Krankheiten) unterteilt. Neu hinzugekommen ist die Bildgebende Diagnostik des Körperinneren. Es wird über die Machbarkeit von Geschlecht im Rahmen von OP´s diskutiert – die allerdings auf 1. Linderung von Beschwerden, Ausscheidungsfunktionen und Sexualfunktionen, 2. Normale Geschlechtlichkeit herzustellen, abzielten.
Mitte der 90-er Jahre meldeten sich dann Betroffene erstmals mit ihren Erfahrungen zum Baltimorer Konzept zu Wort. Dies wurde nach 20 Jahren dann auch endlich von der Medizin zur Kenntnis genommen und es kam zu ersten Studien und Umdenken in den Guidelines 2001.

Abgerundet und in Kurzform zusammengefasst folgt in Kapitel 6 eine Analyse der Kapitel 1 – 5 und es schließt sich eine Diskussion an.

Abschließend folgten eine Zusammenfassung und Schlussfolgerungen.

Das Buch hat sich erstaunlich leicht lesen lassen und wirkte so gar nicht angestaubt – von der Antike bis heute. Es war interessant geschrieben – wenn sich manche Passagen auch in den einzelnen Kapiteln/Unterkapiteln wiederholten. Es vermittelte den Blick auf Geschlecht im Wandel der Zeit von der äußerlichen Zuordnung – über die Entdeckung der Gonaden – bis hin zu den Hormonen und Chromosomen. Von der Verdammung der Hermaphroditen und Anbetung der spontanen Geschlechtsumgewandelten bis in die heutige Zeit der Behandlung und operativen Geschlechtszuweisung. Ich kann diesem Buch nur eines bescheinigen, es ist interessant und lesenswert.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Sexualität und Geschlecht: Psychosoziale, kultur- und sexualwissenschaftliche Perspektiven. Eine Festschrift für Hertha Richter-Appelt

Sexualitaet-und-Geschlecht

von Katinka Schweizer, Franziska Brunner, Susanne Cerwenka, Timo O. Nieder, Peer Briken

Inhaltliche Beschreibung

Obwohl Sexualität und Geschlecht in unserer Gesellschaft allgegenwärtig sind, führt meist erst die Konfrontation mit Abweichungen von der vermeintlichen Norm zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit diesen Themen. Die Sexualforscherin und Psychoanalytikerin Hertha Richter-Appelt, der dieser Band gewidmet ist, hat sich in Therapie und Forschung mit vielfältigen Formen menschlicher Geschlechtlichkeit auseinandergesetzt.

Anlässlich ihres 65. Geburtstags beleuchten ihre Wegbegleite_jnnen Sexualität und Geschlecht aus unterschiedlichen Blickwinkeln und beziehen sich unter anderem auf Religion, Politik, Körper, Identität, Partnerschaft und deutsche Geschichte. Diese vielseitige Sammlung regt einen Diskurs zwischen kritischer Sexualwissenschaft, Psychoanalyse, Medizin, Psychologie, Selbsthilfe, Rechts-, Kultur- und Sozialwissenschaften an und möchte Kundige wie Interessierte für die Vielfalt von Sexualität und Geschlecht begeistern.

Mit Beiträgen von Inga Becker, Christina von Braun, Peer Briken, Franziska Brunner, Susanne Cerwenka, Martin Dannecker, Arne Dekker, Annika Flöter, Harald J. Freyberger, Beatrix Gromus, Christina Handford, Vivian Jückstock, Uwe Koch, Susanne Krege, Silja Matthiesen, Birgit Möller, Timo O. Nieder, Karl-Josef Pazzini, Friedemann Pfäfflin, Konstanze Plett, Wilhelm F. Preuss, llka Quindeau, Rainer Richter, Katinka Schweizer, Volkmar Sigusch, Bernhard Strauß und Lucie G. Veith

Dr. Katinka Schweizer, Psychologische Psychotherapeutin, Franziska Brunner, Diplom-Psychologin, Dr. Susanne Cerwenka, Diplom-Psychologin, und Dr. Timo O. Nieder, Psychologischer Psychotherapeut, sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Prof. Dr. Peer Briken, Sexualwissenschaftler, Psychotherapeut, forensischer Psychiater, ist Direktor dieses Instituts.

ISBN 978-3-8379-2444-2

Rezension

Das Buch ist eine Festschrift für Hertha Richter-Appelt und umfasst 281 Seiten. Ich gestehe, dass ich nur die Beiträge zum Thema Intersex gelesen habe – und dieses waren sehr lesenswert.

Ein Gesamturteil über dieses Buch kann ich mir aus diesem Grund leider nicht erlauben.

Sex die ganze Wahrheit

Sex-die-ganze-Wahrheit

von Pere Estupinya

Inhaltliche Beschreibung

Leicht, prägnant und mit viel Humor erklärt Pere Estupinya die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und unterfuttert sie mit wahren Geschichten. Keine sexuelle Ausrichtung, keine Praktik oder Vorliebe wird tabuisiert. Ein Buch über den Ursprung der Sexualität, über Monogamie und Untreue im Tierreich, über multiple Orgasmen, weibliche Ejakulation, Größe, Potenz, Unlust und Frust, über die Magie des Kusses, Sex im Alter, Internet-Datings, Pornos, Sadomaso-Clubs, über sexuelle Identitäten und soziale Monogamie.

Ein Buch, das eine Mutter ihrem Sohn und ein Enkel seiner Oma empfehlen kann.

ISBN 978-3-570-50170-2

Rezension

Dieses Buch ist spannend und kurzweilig zu lesen. Allerdings sind die Informationen, die zum Thema Intersex angeblich enthalten sind, sehr dürftig und auch nicht wirklich fundiert. Zumindest für den Fachlaien ist dieses Buch in Bezug auf Intersexualität nicht empfehlenswert.

Normierte Kinder: Effekte der Geschlechternormativität auf Kindheit und Adoleszenz

Normierte-Kinder

von Erik Schneider, Christel Baltes-Löhr

Inhaltliche Beschreibung

Geschlechternormen beeinflussen uns von Geburt an - bis ans Ende unseres Lebens. Welche Effekte haben sie auf die Erziehung von Kindern und Jugendlichen? Vermittelt durch Eltern/Familie, Schule und Gleichaltrige sind sie bislang Teil zwischenmenschlicher Beziehungen. Dieser Band zeigt: Die konventionelle Annahme einer Zweigeschlechtlichkeit führt dazu, dass Kindern geschlechterrollentypisches Verhalten beigebracht wird, um ihre Geschlechtsidentität herauszubilden. Die Beiträge gehen den Gründen für diese Vorgehensweise nach und eröffnen die Diskussion über die Kluft zwischen den geltenden Normvorstellungen und der Pluralität unterschiedlicher Lebensentwürfe. Sie zeigen den Weg auf zu einer Kultur des Res¬pekts und der gegenseitigen Anerkennung.


ISBN 978-3-8376-2417-5

Rezension

Auf 400 Seiten wird ein Resümee des Kongresses „Geschlechternormativität und Effekte für Kindheit und Adoleszenz“ aus dem Jahre 2012 gegeben. Verschiedene Autoren/Teilnehmer des Kongresses berichten über ihr jeweiliges Themengebiet bei dieser Tagung. Im Großen und Ganzen regen die Beiträge zum Nachdenken und Überdenken an, allerdings ist für die geübten Leser zum Thema Intersexualität nicht sehr viel Neues dabei.

Da es sich hier um ein Buch des Kongresses des Vereins Intersex & Transgender Luxembourg und der Universität Luxemburg handelt, wird dem Thema Transgender/Transidentität aber auch Transsexualität sehr viel Raum gegeben. Das Buch verfügt leider nicht über einen Glossar und verlangt von dem ungeübten Leser doch einiges an Hintergrundwissen.

Inter* Trans* Express*: Eine Reise an und über Geschlechtergrenzen

Inter-Trans-Express

von Ika Elvau

Inhaltliche Beschreibung

Welches Geschlecht haben deine Socken?
Was ist Genderterror?
Wie queer ist eigentlich das Gesundheitsamt?
Und wohin fährt der Inter*Trans*Express*?

ISBN 978-3-942885-69-0

Rezension

Das Büchlein umfasst einzelne Geschichten und Gedichte – die oftmals unter die Haut gehen und von Wut, Trauer, Fassungslosigkeit und Diskriminierungen berichten.

Auf 95 Seiten liest man bewegendes, was nicht jeder zu verstehen vermag, der nicht in dieser Situation ist.

Entwicklungsgeschichte und Anatomie der weiblichen Genitalien

Entwicklungsgeschichte-und-Anatomie-der-weiblichen-Genitalien

von Prof. Dr. J. Tandler

Inhaltliche Beschreibung

Keine

Rezension

Entwicklungsgeschichte und Anatomie der weiblichen Genitalien von Prof. Dr. J. Tandler von 1913. Das 74-seitige Buch startet mit der Embryonalen Entwicklung der Gefäße, Organe und Co., berichtet über die Lage und den Verlauf der Gefäße, Muskulatur sowie den Stütz- und Halteapparat der Organe.

Hierbei wird die jeweilige Position in der Kindheit bzw. im Alter dargestellt.

Das vorliegende Buch thematisiert Intersexualität nicht und ist für die ärztliche Leserschaft geschrieben. Es ist durch den massiven Gebrauch des Fachvokabular nur schwer zu verstehen und daher bedingt lesenswert.

Dienstag, 24. Juni 2014

Hexenblut

Hexenblut

von Suskas Lötzerich

Inhaltliche Beschreibung

Keine

ISBN 978-3-902844-40-8

Rezension

Ein Comic mit 142 Seiten der mich teils zum Schmunzeln anregte aber auch tiefstes Leid zeigt. Sehr kurzweilig und sicher prima geeignet um beim zweiten oder dritten Mal lesen noch neue Details zu entdecken.

Lesenswert!

Sonntag, 1. Juni 2014

Die Ordnung der Hermaphroditen-Geschlechter

Die-Ordnung-der-Hermaphroditen-Geschlechter

von Maximilian Schochow

Inhaltliche Beschreibung

Anhand historischer Quellen, die sich den hermaphroditischen Körpern zuwenden, diskutiert diese Studie die Entstehung von Geschlechtlichkeit, die Praktiken der Geschlechtseinschreibung in die Körper und die hiermit korrespondierenden Effekte. Dabei werden naturgeschichtliche, medizinische und juridische Diskurse des 15. bis 19. Jh.s analysiert.

Die Hermaphroditen-Beschreibungen des 15. Jh.s, beispielsweise von Paracelsus, erschüttern durch das Fehlen der Definition von Intersexualität über die doppelte Anzahl der Geschlechtsteile, das Fehlen der modernen, wohlbekannten Verbindung von Hermaphrodit und Geschlecht die Vertraut¬heit unseres Wissens über Hermaphroditen. Solch eine Verbindung taucht erstmals in den Hermaphroditen-Diskursen des beginnenden 17. Jh.s auf. Sie wird in jenen medizinischen Traktaten produziert, die nach der Wahrheit des Geschlechts hermaphroditischer Körper fragen. Und genau diese Frage ist es, die den Moment markiert, da im abendländischen Denken das Geschlecht erfunden wurde.

ISBN 978-3-05-004630-3

Rezension

Studie zur Entstehung von Geschlechtlichkeit vom 16./17. Jh bis heute auf 266 Seiten + Anhang. Nervig zu lesen sind die Passagen in alter Schrift und in Französisch – eine Übersetzung gibt es leider nicht; es wird lediglich im weiteren Text Bezug darauf genommen.

Das Buch zeigt den Wandel anhand von Fallbeispielen auf, was seinerzeit als Geschlecht galt - im 16./17. Jh z.B. galt die Erscheinung, Körperbau und Haare als geschlechtsbestimmende Attribute. Im Übrigen wurde das Geschlecht nicht in männlich und weiblich unterteilt, sondern in Tiergeschlecht, Pflanzengeschlecht, Menschengeschlecht. Wurde ein Hermaphrodit entdeckt und seiner Geschlechtlichkeit „überführt“, war das gleichbedeutend mit seinem Todesurteil. Beispiele hierfür werden in den Fallbeispielen dargestellt.

Im 17. Jh lautete die Aussage: alle Hermaphroditen sind missgebildete Frauen – im 18. Jh waren alle Hermaphroditen missgebildete Männer.

Ende des 18. Jh Anfang des 19. Jh wird erstmals offen über chirurgische Praktiken zur „Heilung“ des Hermaphroditen gesprochen. Bis dahin war eine chirurgische Körperöffnung wegen der Gefahr für Leib und Leben erst nach dem Tode möglich – so wurden Personen, die im Verdacht standen ein Hermaphrodit zu sein, erst nach dem Tode rehabilitiert oder als Hermaphrodit überführt.

Es erfolgte mit der Zeit ein Wandel von Geschlecht von dem äußeren Geschlecht (Vivisektion = Beschau des äußeren Geschlechts zur Geschlechtsbestimmung) zum inneren Geschlecht (operative Beschau des Körperinnern) zu chromosomale Geschlecht (Molekularbiologie).

Trotz der vielen Passagen in alter Schrift und Französisch und des hohen Preises ist das Buch doch empfehlenswert – auch wenn es natürlich eher um die Entwicklung des Geschlechtsbegriffes geht.

Jenseits der zwei Geschlechter

Jenseits-der-zwei-Geschlechter

von Verena Averkamp

Inhaltliche Beschreibung

Menschen jenseits der zwei Geschlechter können dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht nicht eindeutig zugeordnet werden. Dieses Phänomen der geschlechtlichen „Uneindeutigkeit", die Intersexualität, wird weitestgehend tabuisiert, sodass betroffene Menschen meist am Rande der Gesellschaft leben.

Mit dem Phänomen hat sich bislang vorwiegend die Medizin auseinandergesetzt. Erst nach Bekanntwerden der Leidensgeschichten Betroffener durch medizinische Eingriffe wurde deutlich, wie wichtig die psychologische Betreuung von intersexuellen Menschen ist.

Den meisten Menschen erscheint unser Zweigeschlechtersystem (Mann/Frau) als natürlich. Im Alltag kommt diese Zweiteilung der Geschlechter in fast allen Bereichen zum Vorschein, wie zum Beispiel bei Formularen, Umkleidekabinen oder bei der Namensgebung eines Neugeborenen.

Für die meisten werdenden Eltern stellt sich somit die Frage nach dem Geschlecht des Kindes. Doch was geschieht, wenn diese Frage nicht beantwortet werden kann? Wie sieht der Umgang mit Intersexualität in einer Gesellschaft aus, in der die Existenz dieses Phänomens weitläufig unbekannt ist?

ISBN 9783842861961

Rezension

Das Buch soll eine Broschüre darstellen und zur Aufklärung über das Thema Intersexualität dienen. Es umfasst 99 Seiten und verfügt über einen kurzen Glossar und weitere Anhänge.

Das Buch ist in leicht verständlichen Worten geschrieben und ist untergliedert in:

IS – Ein Tabuisiertes Phänomen
Zweigeschlechtlichkeit als Norm
Medizin als Hüter der Norm?
Aus der Perspektive der „Normabweichenden“
Intersexuelle und Ihre Familien
Folgerungen für den zukünftigen Umgang
Fazit
Glossar
Anhänge

Es liefert eine Bestandaufnahme der Behandlungspraxis und die Änderungen, liefert aber auch rechtliche Hintergründe - und hinterfragt so manche Praxis kritisch.

Das Buch ist lesenswert.

Salamander

Salamander

von Jürgen Lodemann

Inhaltliche Beschreibung

Von Undinen geht die Sage, dass sie wie Menschenfrauen seien, aber mit anatomischer Besonderheit. Die schöne Studentin, die der betagte Schriftsteller Holterhoff bei sich in Freiburg wohnen lässt, heißt nicht nur Undine, sie erfüllt auch die anderen sagenhaften Voraussetzungen, und zwar als verkappte »SheMale«, als getarnter »LadyBoy«. Zwei Verehrer stellen ihr nach, der eine mit türkischer, der andere mit USA-Herkunft. Als der eine den anderen ermordet, übernimmt die Bundesanwaltschaft den Fall.

Ein spannender Gesellschafts-und Politroman. Eine kritische Liebeserklärung an Freiburg. Und überhaupt: ein Loblied aufs »la vie badoise«.

Harry Holterhoff, der sehr alte Autor, erzählt das Unerhörte spannend, voller Zweifel und Angst, voller Zuversicht und Sinnlichkeit. Da geht's um Sexualität, um Integration, um Träume, um klassische Musik, um Fußball, um Stalking, um Terrorismus, um die Medien. Auch um »das erste Mal«, um den Tod, um den Schwarzwald. Um den Planeten.

Holterhoff erzählt bis zum letzten Moment seines Lebens eine so erotische wie politische Geschichte, da wechseln Ereignisse aus der Zeit vor dem Mord mit solchen danach, wodurch alles zu einem Ritt über den Bodensee wird und nur der Leser weiß, was sich anbahnt.

ISBN 978-3-86351-013-8

Rezension

Erzählt wird die Geschichte von Undine aus Berlin und ihren zwei Verehrern. Die Flucht vor Tansel Korasmar und dessen Familie nach Freiburg zu Harry Holterhoff. Neuer Ort neues Studium neues Glück mit Bob Goldberg – Irrungen und Wirrungen um Tarnkappen, Gespräche von Harry mit Tansel – der anfänglich von Undines Besonderheit nichts ahnt. Undines Mutter Irene hat zwar Andeutungen gegenüber Harry gemacht, aber nichts verraten, der Freiheitsoper Regina und Fußballturnieren. Eigentlich will Undine von Bob nichts – ihr Herz schlägt für Miriam.

Tansel und Bob - HiTec-Freaks - machen sich das Leben schwer; Tansel überwacht nicht nur Bob sondern auch Harry und Undine in dessen Wohnung.

Das Buch beginnt mit dem tragischen Ende der Geschichte und Harry verfasst aus seiner Sicht auf 380 Seiten im Auftrag der Bundesanwaltschaft, was Undine, Bob, Tansel und ihm in Freiburg wiederfährt. Wie konnte es nur soweit kommen? Verschämte Liebe, türkischer Stolz und die Angst vor der Familie, die Hörigkeit von Tansel zu Undine – die aber liebt Miriam.

Das Buch ist spannend geschrieben – liefert zwar keinerlei Hintergrundinformationen zum Thema Intersexualität – ist aber trotzdem kurzweilig zu lesen und empfehlenswert.

Nebulosa - Gespenster

Nebulosa-Gespenster

von Eva Holling, Matthias Naumann, Frank Schlöffel und Oliver Dimbath

Inhaltliche Beschreibung

Gespenster - Akteure an der Schwelle von Sichtbarkeit und Un¬sichtbarkeit geistern in der dritten Ausgabe von Nebulosa umher; und ebenso ihre Bezeugenden, die erstere als Diskursfigur in Besitz nehmen, funktionalisieren, als (para-)psychologisches Phänomen vermitteln oder künstlerisch inszenieren. Das Vereinen von übli¬cherweise als Gegensatz Angesehenem wie Persistenz und Absenz, Ordnung und Unordnung, Sinn- und Übersinnlichem, Tod und Le¬ben scheint die Spezialität der Figuren zu sein, um die es den Bei-trägen geht, welche die Vielfalt an spukenden Wesen zu erschlie¬ßen suchen.

So wird Spukphänomenen in einem Schwarzwälder Traditionshotel ebenso nachgegangen wie der Tragweite der Gespenstermetapher, etwa als philosophische Denkfigur und Emblem des Poststrukturalismus oder als sich dem hermeneutischen Zugriff entziehende Poetik von textuellen Zeichen im Kontext strukturalistischer Theoriebildung. Das Potential des Gespensts als sozialtheoretisches Konzept wird befragt, sowie Intersexualität als soziales Phänomen von Weltlosigkeit. Das Verhältnis zwischen Gespens¬tern und dem „Medium“ Theater scheint ein besonderes zu sein -wie mehrere Zugänge im Hinblick auf Theater und Performance nahelegen: der Wiedergänger der Märtyrerin und die Probleme feiner szenischen Darstellung; das Gespenst als Figur des (Schau-)Spiels zwischen Verkörperung und Körperlosigkeit; Spuren auditiver Gespenstigkeit.

Im Forum der vorliegenden Nebulosa-Ausgabe reagieren zwei (Beiträge auf das vorangegangene Heft, welches Subversion zum Schwerpunktthema hatte.

ISBN 978-3-943414-09-7

Rezension

Gelesen habe ich nur den Artikel von Paul Sörensen – Ein Gespenst geht um. Überlegungen zu Kultur, Macht und (Inter-)Sexualität im Anschluss an Hannah Arend.

Was soll ich sagen – ich verstehe es nicht. Schrott, Finger weg – überhaupt nicht zu empfehlen.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Liebe macht Anders

Liebe-macht-Anders

von Karen-Susan Fessel

Inhaltliche Beschreibung

Anders ist Neu …

... in der Klasse. Er sieht super aus und hat etwas Geheimnisvolles an sich. Schnell entwickelt sich eine Liebesgeschichte zwischen ihm und Sanne.

Das passt Robert dem bisher unangefochtenen Sunnyboy und Ex-Freund von Sanne, überhaupt nicht und er beginnt in Anders' Vergangenheit zu graben: Nicht nur, dass der Typ keinen Facebook-Account hat - man findet ihn überhaupt nirgends im Netz. Irgendwas ist da faul!

Als Robert Anders' Geheimnis aufdeckt wird es gefährlich für Anders. Richtig gefährlich. Und Sanne muss hilflos dabei zusehen...

ISBN 978-3-440-13346-0

Rezension

Interessanter Thriller über das Leben eines intersexuellen Menschen. Anders wagt einen Neubeginn nach den schrecklichen Erfahrungen in Kiel. Doch schnell wird Anders zur Zielscheibe seiner Klassenkameraden und sie geben nicht eher Ruhe, bis sie Anders Geheimnis erfahren und ein Unglück passiert.

Zum Thema Intersex wird rein gar nichts erklärt – doch kommt die psychische Welt von Anders recht gut zur Geltung. Ich würde das Buch zwar nicht wirklich als Thriller bezeichnen aber na gut – lesen kann man es und langweilig wird einem dabei auch nicht.

Mittwoch, 18. September 2013

Die Wiederentdeckung der Gleichheit: Schwache Frauen, gefährliche Männer und andere feministische Irrtümer

Die-Wiederentdeckung-der-Geschlechter

von Elisabeth Badinter

Inhaltliche Beschreibung

Frauen sind wehrlos und unterdrückt, Männer unsensibel und gefährlich. Elisabeth Badinter weist darartige feministische Klischees in ihrem viel diskutierten Buch mit Verve zurück. Sie stellt dabei die ketzerische Frage, welche Fortschritte die letzten zwanzig Jahre Frauenbewegung tatsächlich gebraucht haben. Ihr engagiertes Plädoyer für einen feministischen Kurswechsel ist weder larmoyant, noch moralisierend, noch männerfeindlich, sondern ein leidenschaftliches Bekenntnis zur Gleichheit von Mann und Frau.

Dieses Buch ist ein Ereignis. L`Express

Rezension

Das Buch hat rein gar nichts mit dem Thema Intersexualität zu tun und behandelt auf 190 Seiten die feministische Frauenbewegung.

Warum mir dieses Buch zum Stichwort Intersexualität empfohlen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis – daher nicht empfehlenswert zum lesen.

Hermaphroditismus und sexuelle Umstimmung

Hermaphroditismus-und-sexuelle-Umstimmung

von Dr. Ole Berner

Inhaltliche Beschreibung

Keine Angaben

Rezension

Das Heft umfasst 94 Seiten aus dem Jahre 1938 – es hat den Zweck die Ergebnisse der Forschung zu jener Zeit auf dem Gebiet der „Geschlechtsprobleme“ zu bündeln.

Es folgt eine kurze Einführung in die Goldschiedts Intersexualitätstheorie und steigt dann sofort mit der Entwicklung der Geschlechtsdrüsen beim Tier (Frosch/Huhn) ein. Da kann ich eigentlich nur froh sein, ein Mensch zu sein. Was die Forscher alles mit den Tierchen anstellen ist abartig! 40 Seiten Gruselkabinett vom feinsten.

Es folgt das Kapitel über die Abnormitäten in der Geschlechtsentwicklung beim Säugetier und dem Menschen. Bis zum Ende des Buches werden eigentlich nur Theorien wiedergegeben, aufgestellt oder wiederlegt. Der damaligen Zeit entsprechend ging man bei Hermaphroditismus davon aus, dass eine Geschlechtsumwandlung stattfindet, d.h. das aus einem Ovarium ein Testikel würde und ein uneindeutiges Genitale eher von einer gelungenen Geschlechtsumwandlung zeugt.

Dieses Heft ist eher weniger empfehlenswert zu lesen, keine wirklichen belegten Hintergründe, nur Theorien – die wie man heute weis, nicht stimmten. Auf Grundlage der Goldschidts Intersexualitätstheorie wurden gruselige Versuche an Fröschen und Co. durchgeführt.

Intersexualität kontrovers: Grundlagen, Erfahrungen, Positionen

Intersexualtiaet-kontrovers

von Katinka Schweizer und Hertha Richter-Appelt

Inhaltliche Beschreibung

Es gibt weltweit zahlreiche Menschen, die nicht eindeutig einem biologischen Geschlecht zuzuordnen sind - sie sind in¬tersexuell. Die Auseinandersetzung mit diesem Phänomen wirft Fragen der Grenz¬überschreitung und der Zuständigkeit für Entscheidungsprozesse im medizinischen Bereich auf. Nicht nur verschiedene Be¬handlungsmaßnahmen können Leid bei den Betroffenen erzeugen, sondern auch Geheimhaltung, Diskriminierung und Ausgrenzung.

Der vorliegende Band versammelt ak¬tuelles Grundlagenwissen für ein vertieftes Verständnis des tabuisierten Phänomens und seiner verschiedenen Erscheinungs¬formen. Internationale Wissenschaftler, Praktiker und Experten geben in trans- und interdisziplinären Beiträgen einen differen¬zierten Einblick in die kontroversen Posi¬tionen im medizinischen, psychosozialen und gesellschaftlichen Umgang mit Inter¬sexualität. Ein informativer Anhang mit wichtigen Adressen, Literatur- und Film¬hinweisen ergänzt die verständliche und umfassende fachliche Diskussion.

Mit Beiträgen von R. Binswanger, F. Brunner, M. Groneberg, S. Grover, M. Gsell, C. Hand-ford, P.M. Holterhus, A. Kolbe, E. Kraus-Kinsky, D.G. Nühez, J.Ohms, K. Plett, J. Prange-Kiel, C. ProchnowJ.M. Pulvermüller, I. Ouindeau, H. Richter-Appelt, A. Richter-Unruh, G. Rune, V. Schönbucher, K. Schweizer, V. Sigusch, J. Streuli, O. Tolmein, G. Warne, K. Woeliert und K. Zehnder

Katinka Schweizer, Dr. phil., Dipl.-Psych., M.Sc, ist Wissenschaftlerin am Institut für Sexual-forschung und Forensische Psychiatrie des Uni¬versitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und als Psychotherapeutin in Schleswig-Holstein tätig.

Hertha Richter-Appelt, Prof. Dr. phil., ist Psycho¬logische Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin (DPV) und Professorin am Fachbereich Medizin der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf so¬wie Mitherausgeberin der Zeitschrift für Sexualforschung.

ISBN: 9783837921885

Rezension

Dieses Buch bietet auf 514 Seiten einen erfrischenden Diskurs über Intersexualität. In dem vorliegenden Buch befinden sich Aufsätze zu den verschiedensten Themenbereichen; hierbei wird allerdings nicht versucht einen Konsens zu bilden, sondern jeder Autor beleuchtet sein Themengebiet aus seiner Sicht – eben Kontrovers.

Hier und Da gibt es auch Aussagen oder Halbsätze, die einem die Fußnägel hochrollen lassen, doch insgesamt spiegeln die Aufsätze ein Umdenken in der Behandlungspraxis wieder.

Besonders erwähnenswert finde ich den Aufsatz mit dem Titel Adrenogenitales Syndrom. Dieser wurde von Eveline Kraus-Kinsky, Ärztin und selbst Betroffenen publiziert. Als Betroffene sieht sie die Thematik und Bewegung durchaus auch kritisch – der Aufsatz regt durchaus zum Nachdenken an.

Dieses von Fachautoren und Autoren aus dem näheren Umfeld umfassende Werk ist lesenswert, einziger Wehrmutstropfen ist wie immer der hohe Pries für solche Literatur.

Mein intersexuelles Kind: weiblich männlich fließend

Mein-intersexuelles-Kind

von Clara Morgen

Inhaltliche Beschreibung

Aber wir Hermaphroditen sind Menschen wie alle anderen auch.
Jeffrey Eugenides; Middlesex

Ein Kind wird geboren, aber es passt partout nicht in das Schema Hellblau-Rosa oder Junge-Mädchen. Was aufgrund genetischer Konditionen als seltene, aber trotzdem »natürliche« Variante gelten muss, entwickelt sich für das Kind und seine Eltern zu einer schwierigen Kette von Problemen und Entscheidungen, meistens begleitet von Ängsten, Unwissenheit, Vorurteilen und Fehlinformationen. Clara Morgen schreibt über ihr Leben mit ihrem Kind, das zunächst Franz, dann aber nach ärztlichem Gutachten Franzi genannt wird, über Ärztinnen und Ärzte und deren Diagnosen, über die Fragen der Offenheit gegenüber dem Kind und dem Freundes- oder Bekanntenkreis, über die fatalen Probleme und Folgen von Operationen, über Selbstzweifel und schlechtes Gewissen. Aber auch über das Glück, dieses Kind besonders zu lieben und in einer Umgebung aufwachsen zu sehen, die das »Anderssein« akzeptiert und so dem Kind das notwendige Selbstbewusstsein und die Würde gibt, die jedes Kind zum Aufwachsen und Erwachsenwerden braucht. Eine sehr persönliche, sehr berührende Erzählung, ergänzt durch Interviews mit anderen Eltern, Ärztinnen und Ärzten, intersexuellen Menschen und Interessengruppen.

ISBN: 9783887472924

Rezension

Dieses Buch umfasst 126 Seiten und wurde aus der Sicht einer Mutter eines intersexuellen Menschen geschrieben.

Wer hier Hintergrundinformationen sucht, wird enttäuscht werden – dennoch ist dieses Buch erfrischend zu lesen.

Dienstag, 9. Juli 2013

Vielen Dank für das Leben

Vielen-Dank-fuer-das-Leben

vom Sibylle Berg

Inhaltliche Beschreibung

Toto ist ein Wunder. Ein Waisenkind ohne klares Geschlecht, zu dick, zu groß, aber ein Mensch, der durch diese schlechteste aller Welten geht, als ob es alles noch gäbe: Güte, Unschuld, Liebe. Brutal, provozierend und doch mit unendlicher Zärtlichkeit erzählt Sibylle Berg noch einmal die große Geschichte eines Menschen, der durch die Reinheit seines Wesens der Welt zeigt, wie weit es mit ihr gekommen ist. Ein wütender, schriller Roman über das einzige im Leben, was zählt.

»Toto war glücklich. Sie konnte nicht wissen, wie es gewesen wäre, hätte sie von einem geliebt werden können, aber es war müßig, darum zu trauern. Sie konnte auch nicht wissen, wie es gewesen wäre, in einer anderen Zeit gelebt zu haben, als ein anderer Mensch, oder ein Tier. Man kann alle Möglichkeiten betrauern, die man nie gehabt hat, oder sich da¬ran freuen, dass man kurz aufgetaucht ist aus der Großen Dunkelheit der Unendlichkeit, die sonst immer herrscht, vor der Geburt und nach dem Tod, ein kurzer Moment Licht, das ist doch viel ...«

ISB N 978-3-446-23970-8

Rezension

Toto meistert allen Widrigkeiten zum Trotz sein Leben, selbst als er zu Pflegeeltern abgeschoben wird und den Bauernhof im Alleingang meistern muss. Er entdeckt seine Liebe zur Musik und flüchtet mehr unwissend aus der DDR in die BRD. Doch das so verheißende Leben entpuppt sich anders und Toto geht seine eigenen Wege. Toto schlägt sich durch und plötzlich ist da eine alte Liebe im Spiel. Toto ist der Liebe Kasimirs hörig und selbst die größten Enttäuschungen machen ihn blind. Spät viel zu spät wird klar, welches Spiel Kasimir wirklich im Schilde führt.

Dieser Roman umfasst 400 Seiten – leider wird Toto mit seiner Naivität sehr dümmlich dargestellt und mit Klischees gespielt. Das Buch ist ein reiner Roman und liefert daher keine Hintergründe.

Mein Leben gehört mir

Mein-Leben-gehoert-mir

von Daphne Scholinski und Jane M. Adams

Inhaltliche Beschreibung

Typisch weibliche Themen und Beschäftigungen interessieren Daphne nicht im Geringsten. Sie zieht es vor, sich burschikos zu kleiden, die Haare kurz wie ein Junge zu tragen und sich gegen ihren Vater aufzulehnen. Doch nach der Scheidung ihrer Eltern wird ihr Verhalten immer auffälliger: Sie lügt, stiehlt, schwänzt die Schule und nimmt sogar Drogen.

Schließlich wird die 15-jährige in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, in der die Therapeuten dem vermeintlichen Grund dafür auf die Spur kommen: Angeblich liege bei ihr eine »geschlechtsspezifische Identitätsstörung« vor. Daphne soll »lernen«, sich femininer zu benehmen, sich zu schminken, ihren Gang zu verändern, sich über die »richtigen« Themen zu unterhalten.

Aber Daphne kann es nicht verstehen, dass niemand sich wirklich dafür interessiert, wie es in ihr aussieht, was eigentlich hinter ihrem Verhalten steckt, und versucht mit allen Mitteln, aus der Klinik entlassen zu werden.

ISB N 3-404-61427-5

Rezension

Das Buch umfasst 303 Seiten und schildert die Geschichte von Daphne auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Daphne hat mit weiblichen Gehabe nichts am Hut und möchte eigentlich nur sie selbst sein. In der Psychiatrie versucht man Daphne zu mehr Weiblichkeit zu erziehen – erst lehnt sie sich weiterhin auf, doch bald beugt sie sich vermeintlich und sie kann Annehmlichkeiten genießen. Die Freundschaft zu einem anderen Mädchen ist viel mehr als Freundschaft und bald wird dieser Beziehung ein Riegel vorgeschoben.

Daphne sehnt ihrer Volljährigkeit und ihrer Entlassung aus der Klinik entgegen. Lang und steinig ist ihr Weg und sie lehnt sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese auferlegte weibliche Rolle auf.

Intersexualität, Zweigeschlechtlichkeit und Verfassungsrecht

Intersexualitaet-Zweigeschlechtlichkeit-und-Verfassungsrecht

von Angela Kolbe

Inhaltliche Beschreibung

Angela Kolbe, geb. 1979, studierte Rechtswissenschaft in Frankfurt am Main, 2005 i. Staatsexamen, von 2005-2008 Stipendiatin im DFG-Graduiertenkolleg „Öffentlichkeiten und Geschlechterverhältnisse. Dimensionen von Erfahrung" der Universitäten Frankfurt und Kassel, 2009 Promotion an der Goethe-Universität in Frankfurt, seit 2009 Referendarin am Landgericht Frankfurt.

Zum Inhalt: Das Buch behandelt die verfassungsrechtliche Situation intersexueller Menschen aus interdisziplinärer Perspektive und mit rechtspolitischem Impetus. Die gegenwärtige Praxis, Intersexuelle einem der herkömmlichen Geschlechter zuzuordnen, wird am allgemeinen Persönlichkeitsrecht sowie an Artikel 3 CG gemessen und ein Verstoß gegen diese Grundrechte festgestellt. Auch die an intersexuellen Kindern und Jugendlichen durchgeführten geschlechtszuweisenden Operationen verstoßen gegen das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit.

Zudem wird die Entstehung des „Dogmas der Zweigeschlechtlichkeit" nachgezeichnet und aus Sicht der historischen, soziologischen und ethnologischen Geschlechterforschung kritisiert.

ISBN: 978-3-8329-5449-9

Rezension

Das Buch behandelt auf 228 Seiten die verfassungsrechtliche Situation intersexueller Menschen aus interdisziplinärer Perspektive. Die gegenwärtige Praxis, Intersexuelle einem der herkömmlichen Geschlechter zuzuordnen, wird am allgemeinen Persönlichkeitsrecht sowie an Artikel 3 GG gemessen und ein Verstoß gegen diese Grundrechte festgestellt. Auch die an intersexuellen Kindern und Jugendlichen durchgeführten geschlechtszuweisenden Operationen verstoßen gegen das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit. Zudem wird die Entstehung des "Dogmas der Zweigeschlechtlichkeit" nachgezeichnet und aus Sicht der historischen, soziologischen und ethnologischen Geschlechterforschung kritisiert.

Meiner Meinung nach sollte dieses Buch jeder Betroffene gelesen haben, ob er/sie/es nun über einen Prozess nachdenkt oder nicht.

Intersexualität - Intersex Eine Intervention

Intersexualitaet-Intersex

von Hans-Jürgen Voß

Inhaltliche Beschreibung

Zum aktuellen Stand der Intersexualitätsdebatte

Oft werden bei der Diagnose Intersex im Säuglings- und frühen Kindesalter operative und hormonelle Eingriffe vorgenommen, um ein möglichst eindeutiges Erscheinungsbild der Genitalien zu erreichen. Von den Interessensvertretungen der Intersexe werden diese Eingriffe als gewaltsam und traumatisierend beschrieben. Der Band stellt ihre Position und den aktuellen wissenschaftlichen Stand vor, auch die neuesten Ergebnisse, die der Deutsche Ethikrat nicht würdigte.

ISBN 978-3-89771-119-8

Rezension

Das vorliegende Buch beleuchtet auf 72 Seiten den Diskurs des Deutschen Ethikrats zur Intersexualität. Heinz-Jürgen Voß wertet verschiedene Studien zu und an Intersexualität aus und kommt zu dem Schluss, dass die Behandlung aus Sicht der Ärzte „helfen“ soll, aber gerade das Gegenteil der Fall ist und zu mehr „Leid und Stigmatisierung“ führt.

Besonders zu empfehlendes kurzweiliges Büchlein mit Auswertungen zum Diskurs und durchgeführter Studien.

Hermaphrodit (1920)

Hermaphrodit-1920-

von Max Sidow

Inhalt:

Keine Beschreibung


Rezension

Dieses Gedicht kann man, muss man aber nicht gelesen habe.

Eine Überschreitung der Geschlechtergrenzen?

Eine-Ueberschreitung-der-Geschlechtergrenzen

von Eva Maria Calvin

Inhaltliche Beschreibung

Die Autorin: Eva Maria Calvi, Mag.a phil., Bakk.a phil., M.A., geboren 1987 in Brück an der Mur/Steiermark, studierte Erziehungs- und Bildungswissenschaft, Wei¬terbildung - Lebensbegleitende Bildung sowie Interdisziplinäre Geschlechterstudien an der Universität in Graz.

Im vorliegenden Buch wird der Frage nachgegangen, wie Geschlechtlichkeit in „westlichen Gesellschaften“ - unter Differenzierung zwischen „sex“ und „gender“ - konstruiert wird und welche Konsequenzen dies für Menschen mit in diesem Sinne uneindeutigem biologischen Geschlecht (sex) hat, die dem hegemonialen binären Geschlechtermodell nicht Rechnung tragen und gegenwärtig als „Intersexuelle“ („Menschen zwischen den Geschlechtern“) tituliert werden. Der interdisziplinäre Zugang zur Thematik gründet sich sowohl auf biomedizinischen, rechtlichen, sozi¬alwissenschaftlichen, geschichtlichen, ethnographischen als auch auf gendertheoretischen Erkenntnissen und verschafft einen Einblick in die Praktiken und Ansichten des „westlichen Kulturkreises“ hinsichtlich des Managements von Intersexualität. Auf diese Weise wird die Kategorie „Geschlecht“ als historisiert erkannt, was z. B. am Übergang vom „Ein-Geschlecht-Modell“ zum „Zwei-Geschlechter-Modell“ aufgezeigt wird. Darüber hinaus wird der damit einhergehende Wandel der Betrachtung und Behandlung von Intersexualität hin zur heutigen Problematisierung dieses Phänomens veranschaulicht. Interkulturelle, postmoderne und queere Beispiele für das Aufbrechen des binären Geschlechtermodells zei¬gen zudem auf, dass „Geschlecht“ auch anders gedacht und gelebt werden kann, wodurch traditionelle Grenzziehungen und binäre hierarchische Oppositionen entnaturalisiert und neue Ansatzpunkte für den Umgang mit intersexuellen Menschen und deren Anliegen erörtert werden.

ISBN 978-3-86888-042-7

Rezension

Diese Masterarbeit befasst sich auf 157 Seiten mit der Situation intersexueller Menschen in der westlichen Gesellschaft. Das Buch informiert über die biologische Entwicklung, kurz über einige Syndrome wie AGS, CAIS und GD und wirft einen Blick auf die historischen Behandlungsstandards. Der übliche Abstecher in die Thematik Transsexualität wirkt in diesem Buch allerdings nicht so aufdringlich und bildet die Unterschiede heraus.

Die Autorin kommt zu dem Fazit, das die westliche Gesellschaft – anders wie Indien, Pakistan oder Oman – an dem ausschließlichen Dimorphismus festhält und intersexuelle Menschen dadurch unsichtbar werden lässt. Die Medizin sowie die Politik haben kein Interesse diesen Dimorphismus zu durchbrechen und intersexuelle Menschen in der Gesellschaft anzuerkennen.

Lediglich die 1232 Fußnoten, Anmerkungen und Erläuterungen auf 157 Seiten sind mehr als nervig und behindern ein ungestörtes Lesen. Trotzdem liest sich das Buch doch sehr flüssig und bildet mit einem Stand von 2012 ein doch recht aktuelles Werk, welches allerdings nicht zu sehr in die Tiefe geht.

Ciba Zeitschrift - Hermaphriditismus

Ciba-Zeitschrift-Hermaphriditismus

von Ciba-Zeitschrift

Inhaltliche Beschreibung

Keine Beschreibung

Rezension

Diese aus dem Jahre 1939 stammende Zeitschrift befasst sich mit der Geschlechtsdifferenzierung des Hermaphroditismus. Das Büchlein zielt eher auf das Zwittertum im Tierreich ab und berichtet über die experimentelle Forschung/Beeinflussung der Geschlechtsbestimmung/Entwicklung.

Die Zeitschrift ist nicht up to Date und hat mit dem menschlichen Hermaphroditismus nur sehr wenig zu tun – es ist daher eher uninteressant.

Chromosomenstudien bei Intersexualität

Chromosomenstudien-bei-Intersexualitaet

von Dr. med. Rosi Zabel

Inhaltliche Beschreibung

Keine Beschreibung

ISBN: 978-3-8329-5449-9

Rezension

Das vorliegende Buch hat 112 Seiten und wirkt auf den ersten Blick wie der kleine Bruder vom Overzier – jedoch geht es eher um die Erforschung der Chromosomen/-anomalien bei Intersexualität und deren Auswirkungen auf eine mögliche Diagnoseform im ersten Teil des Buches.

Im zweiten Teil wird auf die Syndrome eingegangen – Grundlage ist hier allerdings auch wieder die Chromosomenkonstellation und deren Auswirkungen auf die körperliche Geschlechtlichkeit/Geschlechtsidentität. Zweiter Aspekt sind die Hormone und ihre Wirkung auf den Körper.

Es wird auf Fälle von anderen Pädiatern eingegangen und eigene Beobachtungen geschildert.

Das Buch ist nicht mehr up to date, dafür spiegelt es den Stand der Forschung von 1966 wieder. Daher nur bedingt lesenswert – wenn man es überhaupt zu einem vernünftigen Preis bekommt.

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